Der Tango
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Historische Betrachtung |
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"Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann." (Enrique Santos Discépolo)
Angelockt durch wirtschaftliche Not in ihren Heimatländern und durch ein groß angelegtes Einwanderungsprogramm der argentinischen Regierung erreichen allein zwischen 1880 und 1930 ca. 6 Millionen Neuankömmlinge die Hafenstädte am Rio de la Plata. Die angekündigte Landreform der Regierung scheitert am Widerstand der Landbarone. Zu den Einwanderern, denen es nicht gelingt im Hinterland Fuß zu fassen und die deshalb in die Hafenstädte zurückkehren, strömen nun auch noch abertausende arbeitslose Landarbeiter und Gauchos. Dort wo viele Menschen auf engem Raum überleben müssen, herrscht Mangel, insbesondere an Arbeit und an Perspektiven. Die ursprünglich leichte, fröhliche Milonga mutiert in dieser Zeit durch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu einem Tanz voller Schmerz und Sehnsucht, die Geburtsstunde des Tangos (ca. 1880). Kontrabass, Violine und das von Heinrich Band aus der Konzertina entwickelte und ca. im Jahr 1880 in Argentinien heimisch werdende Bandoneon sind zunächst die Standardinstrumente der durch Kneipen, Bordelle, Mietskasernen und Jahrmärkte ziehenden Musiker. In den Barrios von Buenos Aires und Montevideo, in einem Milieu von Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Prostitution wird der Tango zum Ausdruck existentieller Not und menschlicher Einsamkeit.
"Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut." (Jose Gobello)
Die argentinische Oberschicht, bar aller sozialen und ökonomischen Nöten lehnt den neuen Tanz, die Musik als Ausdruck von Verkommenheit und Verarmung grundsätzlich ab.
Es entstehen unterschiedliche Stilrichtungen, wie z. B. der Vals und der Tango de Salon. Bis in die fünfziger Jahre ist der Tango der Gesellschaftstanz Argentiniens. Mit dem Sturz des argentinischen Präsidenten Juan Perón 1955 durch das Militär, schwindet die Popularität des Tangos. Während dieser Zeit sind öffentliche Versammlungen aller Art verboten. Viele Künstler gehen ins Exil. Erst mit dem Ende der Diktatur lebt der Tango wieder auf und man knüpft dort an, wo man vor Jahrzehnten aufhören musste, nämlich am Tanzstil der vierziger Jahre. |
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Philosophische Betrachtung |
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Dein Lachen hörte ich, sie zu begrüßen und unter deinen Tränen ging sie fort. In deinen Knöpfen ist dir mitgegeben Freund Bandoneon, mein ganzes Leben. Weine du, Bandoneon, deinen Tango grau! Vielleicht berührt auch dich einmal der Schmerz aus einer schlimmen Liebe!
Tango Der Hintergrund wird zum Vordergrund. Wir hören nicht dein Lied auf dem Bandoneon, sondern das Bandoneon auf einem Lied. Wir sehen auch nicht zwei Tänzer in einer Choreographie, sondern die Choreographie in zwei Tänzern.
Liebe Die Spiele der Liebe sind immer dieselben - eine Frau stößt sich von dem ab, den sie nicht mehr liebt - wirbelt weiter - das ist Liebe im Tango. Es gibt keinen Frieden, es gibt nie ein Ende, schnell dreht sich das Leben weiter - das Feuer darf nie erlöschen - das ist Liebe im Tango. |
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Musikalische Vertreter (eine Auswahl) |
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Carlos Gardel * 1890 in Toulouse, † 1935 (Flugzeugabsturz in Medellin) |
Tangosänger und Mythos, Jänner 1917 Beginn des Tango Canción mit "Mi noche triste" (Meine traurige Nacht). "Percanta que me amuraste / en lo mejor de mi vida dejándome el alma herida / y espinas en el corazon......" "Flittchen, Du hast mich verlassen / in meinen besten Jahren hinterließt Du meine Seele verletzt / und Dornen im Herzen......" Carlos Gardel hat knapp 1000 verschiedene Lieder, darunter 500 Tangos auf Schallplatten gepresst. 1931 entstand mit "Luces de Buenos Aires" der erste Tangofilm mit Carlos Gardel. |
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Astor Piazzolla * 1921 in Mar del Plata, † 1992 |
Astor Piazzolla war Bandoneonvirtuose, Arrangeur, Orchesterleiter , Komponist und Begründer des Tango Nuevo. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem "La muerte del angel", "Nostalgias", "Ballada para un loco", "Adios Nonino", "Verano porteno" und "Libertango". 1968 komponierte er in Zusammenarbeit mit dem argentinischen Dichter Horacio Ferrer die Tangocantate "Maria de Buenos Aires". |
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Juan D´Arienz0 ("Rey del compás/König des Taktes") * 1900, † 1976 |
Juan D´Arienzo war Violinist, Komponist und Orchesterleiter. Bereits 1930 war er auf dem argentinischen Schallplattenmarkt einer der Erfolgreichsten. Zu seinen Werken zählen unter anderem "Chirusa", "La punalada", "Paciencia", "Dos guitas", "El vino triste" und "Bien pulenta". |
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Osvaldo Pugliese * 1905, † 1995 |
Osvaldo Pugliese war einer der bedeutendsten Pianisten, Orchesterleiter und Komponisten seit der Mitte der zwanziger Jahre. Seine bekanntesten Werke sind unter anderem "Recuerdo", "Negracha", "La Yumba", "Derecho Viejo" und "Mala Junta". |
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Anibal Troilo ("El inmortal Pichuco") * 1914, † 1975 |
Anibal Troilo war Bandoneonist, Komponist und überragender Orchesterleiter. "Seine melancholischen Bandoneon-Solo frasieren nicht selten die Gesangsstimmen und unterstreichen die Textaussagen als musikalisches Echo." Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem "Barrio de tango", "Garnia", "Romance de Barrio", "Sur" und "A Homero". |
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Carlos di Sarli ("El senor del Tango") * 1903, † 1960 |
Carlos di Sarli war Pianist, Komponist und Orchesterleiter. "Seine Stärke war seine magische Linke. Harmonischer Reichtum interessierten ihn wenig, sein musikalischer Ausdruck lag in den Kontrasten zwischen weichen, gebundenen und kurzen Noten, zwischen extrem lauten und extrem leisen Passagen." Zu seinen Werken zählen unter anderem "Milonguero viejo", "Bien frappé", "Nido Gaucho" und "Verdemar". |
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Francisco Canaro ("Pirincho / die Elster") * 1888, † 1964 |
Francisco Canaro war Violinist, Gitarrist, Komponist und Orchesterleiter. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts leitete Francisco Canaro gleichzeitig vier Tangoorchester (Orquesta Tipicia Francisco Canaro). Francisco Canaro hat von sich behauptet, rund 250 Musikstücke komponiert zu haben, darunter meist Tangos, aber auch Foxtrotts, Walzer und Märsche. Seine bekanntesten Werke sind unter anderem "Sentimiento gaucho", La ultima copa", "Tiempos viejos", "Madreselva" und "Adios, pampa mia". |
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Augustin Magaldi * 1901, † 1938 |
Augustin Magaldi war zu Lebzeiten neben Carlos Gardel und Angel Gregorio Villoldo einer der bekanntesten Tangosänger. Der von ihm eingespielte Titel "El penado 14" (Der Sträfling 14) erreichte die seinerzeit unglaubliche Auflagenhöhe von mehr als einer Million Schellackplatten (Brunswick, 1628 A). Sein Repertoire umfasste unter anderem "Manana es domingo", "Vagabundo", "Mis delirios", "Afilador" und "Libertad". |
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Angel Gregorio Villoldo ("Papa del tango criollo") * vmtl. 1868, † 1919 |
Angel Gregorio Villoldo war Komponist und Sänger und spielte Gitarre und Mundharmonika. Er war der wichtigste Repräsentant der so genannten "Guardia Vieja", die den Tango der Anfangsjahre schuf. Aus seiner Feder stammen über 100 Kompositionen, davon viele Tangos und Milongas wie der erste getextete Tango "El choclo" ("Der Maiskolben") sowie "El Portenito" und "La Morocha". Der Ursprungstext war so zweideutig, dass er später von Enrique Santos Discépolo überarbeitet wurde. Angel Gregorio Villoldo blieb dem Tango nur so lange treu, wie dieser der ländlich-kreolischen Volksmusik ähnelte. Als der Tango moderner wurde, widmete er sich nur mehr der kreolischen Volksmusik. Seinen Spitznamen "Papa del tango criollo" erhielt er allerdings bereits vor dieser Zeit. |
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Diskographie (ein Überblick) |
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Bailando Tango - Quinteto Pirincho (2002, EMI, 7 24352 04292 0) Bailando Tango - Alfredo de Angelis y su orquesta (2002, EMI, 7 24352 04282 0) Bailando Tang0 - Orquesta Simbolo Osmar Maderna (2002, EMI, 7 24353 29962 0) Bailando Tango - Osvaldo Fresedo y su orquesta (2002. EMI, 7 24353 29982 8) Bailando Tango - Sexteto Mayor (2002, EMI, 7 24352 04262 3) Bailando Tango - José Basso y so orquesta (2002, EMI, 7 24353 31812 3) Bailando Tango - José Libertella y su orquesta (2002, EMI, 7 24352 04312 5) Bailando Tango - Raúl Garello y su orquesta (2002, EMI, 7 24353 29972 9) Bailando Tango - Anibal Troilo y su orquesta (2002, EMI, 7 24352 04252 4) Bailando Tango - Carlos Garcia y su orquesta (2002, EMI, 7 24353 31802 4) Pas a deux - Cuarteto Darsena Sur (2001, Westwind, WW 2252) Confesión Tanguera - Puro Aponte (2002, Oriente Musik, RIEN CD 39) Por la vuelta - Sandra Rumolino (2002, Arion, ARN 64589) Bordeneo y 900 - Juan Jose Mosalini (1994, Indigo, LBLC 2507, HM 83) Buenos Aires Tango para bailar - Verschiedene (2003, BMG, 8 28765 56362 8) Consejo de oro - Augustin Magaldi (-, Magenta, 88.112) |
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Literatur (eine Auswahl) |
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Kabbala und Tango/Essays 1930-1932 - Jorge Luis Borges (1991, Fischer, ISBN 3-596-10578-1) Tango/Nostalgie und Abschied - Raimund Allebrand (1998, Arte Horlemann, IS BN 3-89502-5) Tango - Arne Birkenstock, Helen Ruegg (1999, dtv premium, ISBN 3-423-24182) Die Rückkehr des Tanzlehrers - Henning Mankell (2000, Zsolnay, ISBN 3-552-05205-4) Letras de Tango/Selección 1897-1981 - José Gobello (1995, Cultura Argentina, ISBN 950-898-078-8, spanisch) Drei Minuten mit der Wirklichkeit - Wolfram Fleischhauer (2001, Schneekluth Verlag, 001936) Tango Argentino eine Liebeserklärung - Astrid Haase-Türk (2003, blv Verlag, ISBN 3-405-16306-4) Tango die Kraft des tanzenden Eros - Ralf Satori/Petra Steidl (1999, Atlantis, ISBN 3-89631-329-0) Tango ist meine Leidenschaft - M.A. Numminen (2003, Zweitausendeins, ISBN 3-86150-514-2) Tango Leidenschaft in Buenos Aires - Deininger/Jaugstetter (1999, ars vivendi, ISBN 3-89716-087-0) Tango um Mitternacht/Erotische Geschichten - Verschiedene (2000, Heyne, ISBN 3-453-86997-4) Tango - Dieter Reichhardt (1984, suhrkamp, ISBN 3-518-37587-3) Tango Dimensionen - Nicole Nau-Klapwijk (1999, Kastell, ISBN 3-924592-65-9) Tango Nuestro/Diario Popular - Biografien und Texte (-, Publiéxito S.A., -, spanisch) |
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Filme/Video/DVD (eine Auswahl) |
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Tango - Carlos Saura (1998, DVD, Metrodome, MTD 5010, VFC 18563) Tango Lesson - Sally Potter (1997, VHS, Arthaus/Pandora Film, AH 00272) Bandonéon/Eine Reise in den Tango - Rolf Lambert (-, VHS, absolut Medien, Musik 268) Master of Dance/Tango und Flamenco (-, DVD, polyband, 75014-5) |
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Tango / Kunst |
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Schritte / Begriffe (eine Auswahl) |
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el paso basico la calesita el balanceo la barrida el corte la baldoza el cruze de la mujer la cunita el firulete el gancho el giro la medialuna el ocho el paso basico cruzado la sacada la sentada el taconeo el voleo |
Der Grundschritt Das Karussell (Vor-Rück-Schritte am Platz mit Achsendrehung) Das Balancieren (mehrfacher Gewichtswechsel) Das Fegen (Fußschieben) Der Schnitt (abruptes Unterbrechen des Gehens) Die Kachel (Grundschritt mit sechs Schritten) Das Kreuzen der Frau (Schritt Nr. 5) Die Wiege Die Verzierung Der Haken (Beinhaken) Die Drehung Der Halbmond Die Acht Der gekreuzte Grundschritt Das Wegnehmen Das Sitzen Das Klopfen (mit dem Absatz) Der Lufthaken |
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